Wollfressen oder Pica bei Siamkatzen

Bei einem Kater aus meiner Zucht und bei einem Jungtier aus der Zucht einer Freundin tritt Wollfressen oder Pica auf.
Ich selber hatte in den letzten Jahren diese Problem nicht mehr bei meinen Katzen, es scheint durch die originalen englischen Linien wieder verstärkt zu werden. Denn mein erster Kater der ein ganz schrecklicher Wollfresser war, war Deir el Bari von Yungaya, ein Siamkater in blue-point und ein Sohn von Sontew Solomon, einem englischen chocolate-point. Deir el Bari, genannt Pepe, hat uns die Gardinen von den Fenstern gefressen!!! Von Kissen, Decken, Katzenkörbchen, Pullovern und Socken gar nicht zu reden. Den Höhepunkt der dieses Thema betrifft haben mir damals Bekannte erzählt. Sie hatten einen Kater, der dem Mann des Paares beim Mittagsschlaf ein faustgroßes Loch in den Pullover gefressen hat………….während er dabei seelig auf der Brust lag und der Mann den Pulli an hatte!! (Alles Anfang der 1980er Jahre passiert).

Pepe hatte einen schweren Darmverschluss, der dadurch hervorgerufen wurde, dass er eine Sockenschublade geöffnet hat und die Socken gefressen hat. Zum Glück konnte mit einer schweren OP sein Leben gerettet werden, auf seine Vorliebe hatte das aber auch keinen Einfluss!
In den letzen Jahren hört man zum Glück kaum noch etwas über dieses Thema und ich hoffe, dass es auch nicht verstärkt wieder auftritt.
Weil aber ein hoher Leidensdruck bei den Besitzern dieser Tiere vorhanden ist, denn man fühlt sich in der eigenen Wohnung nicht mehr daheim, wenn mal alles wegräumen muss, was an Gemütlichkeit erinnert………….und auch die Angst, vor einem Darmverschluss bei der Katze, die ständig als Damoklesschwert über dem Besitzer hängt, habe ich hier viel zu diesem Thema zusammengetragen.
Vorwegschicken möchte ich aber noch, dass es sich bei dem Kater aus meiner Zucht um eine Katze mit Freigang und der regelmäßig genutzten Möglichkeit zum Mausen handelt, dass er Gesellschaft von 2 anderen Katzen hat und eine Besitzerin, die mehr als ausreichend Zeit für ihre Tiere hat. Er wird erstklassig ernährt und kann sich auch draussen Gras und alles holen. Das spricht, ebenso wie meine eigenen Erfahrungen und die anderer Siamkatzenhalter ganz klar gegen die als Erklärung oft vermutete Langeweile oder Mangelerscheinungen.
Siamkatze beim Stofffressen

Was kann man tun? Hier ein paar Lösungsversuche:

– der Katze den Zugang zu den bevorzugten Stoffen vorenthalten

– der Katze etwas zu kauen anbieten, z.B. knorpelige Knochen

– Verfüttern eines Produktes, das Lanolin enthält

– Verabreichen eines Schilddrüsenhormons

– eine Aversion der Katze gegen ein Deo oder Parfüm konditionieren, indem man es ein paar mal kurz vor ihrem Gesicht versprüht. Hat die Katze eine starke Abneigung gegen den Geruch erworben, sollte man die bevorzugten Stoffe damit besprühen.

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Im Fachjargon Pica genannt, krankhaftes fressen, saugen und nuckeln von/an Stoffen aller Art, besonders Wolle aber auch Gummibändern, Kunstfasern und sogar Pappe

Schädlich für Zähne und Katzenmaul, schluckt die Katze zu viel Wolle, sammeln sich die Wollfasern und es wird ihr unmöglich diese Klumpen auszuscheiden und ein chirurgischer Eingriff des Tierarztes wird nötig!

Besonders häufig tritt diese Verhaltensstörung bei Siam- und Burma-Katzen sowie deren Cross-Züchtungen auf. Möglicherweise liegt bei diesen Rassen für das Wolle-Fressen eine genetische Disposition (Erklärung 1) vor, das heißt, ihnen wird diese „Unart“ evt. angeboren. Es kann aber auch bei allen anderen Rassen auftreten.

Erklärung 2: ungerichteter Saugreflex: Fast immer beginnen die Katzen im Alter von 2-8 Monaten mit dem nuckeln. Besonders bei Katzen, die zu früh von der Mutter getrennt wurden bzw. ohne Mutter aufwachsen mussten.

Erklärung 3: ungenügende Beschäftigung und Langeweile, Einsamkeit

Erklärung 4: Es liegt ein Fehler in der Ernährung vor. Da unsere Wohnungskatzen ihre Beute nicht fangen und mit Haut und Haaren verschlingen können, mangelt es einigen scheinbar an Ballaststoffen, und eben diese versuchen sie sich durch Wolle-Fressen zu beschaffen. Bei Katzen die ausschließlich mit Feuchtfutter gefüttert werden, kann das Anbieten von zusätzlichem Trockenfutter (Trinken!) Abhilfe schaffen. Geholfen hat in vielen Fällen auch die Erhöhung des Fasergehalts im Futter für einige Zeit.
Z.B. indem man dem Futter etwas Kleie oder Gemüse zufügt. Anfangs mit wenig gehacktem Gemüse versuchen, langsam die Menge steigern. Testen welche Sorte der Katze am Besten schmeckt.
Niemals das Katzengras ausgehen lassen, am Besten eine Mini-Wiese ziehen mit Katzenminze, gekeimten Roggen, Weizen, Hafer und Schnittlauch. Zum Kauen zähe Fleischbrocken anbieten!

Erklärung 5: Ebenso können ungerichtetes Jagd- oder Beutefangverhalten der Grund sein.

Katzen sind Individualisten. Jede hat ihre besonderen Vorlieben und Abneigungen. Eine richtige Heilung ist nicht möglich. Doch es gibt Wege aus diesem zwanghaften Verhalten, auch wenn den für sein Tier richtigen nur der Besitzer selbst herausfinden kann.

Lösungsansätze:

– Sämtliche Woll-und Kleidungsstücke sicher in Kästen verpacken. Manchmal hören Katzen von selbst auf, wenn sie über einen längeren Zeitraum keine Wolle mehr zu Gesicht bekamen. Die meisten Katzen sind aber hartnäckiger.
– Der Wasserspritzer: Wenn die Katze auf frischer Tat ertappt wird, ist ein Wasserspritzer aus einer Blumenspritze oder Wasserpistole oft hilfreich.
– Fernhalten: Unterbinden Sie die Kauerei, indem Sie die Katze jedesmal und immer wieder von dem betreffenden Kleidungsstück wegheben.
– Verleiden: Wolldecken mit speziellem im Fachhandel erhältlichen Fernhaltespray oder Eukalyptusöl bzw. Menthol präparieren. Wäsche mit Mitteln durchspülen die der Katze zuwider sind, etwa Essig oder Zitronensaft. Möbelbezüge und Gardinen: Tabasco-Sauce, Pfeffer, Chili-Pulver, Parfum, Deo,…ausprobieren, die Katze darf es aber nicht ablecken!

Zu später Tadel schadet nur: Wenn die Löcher bereits in dem Kleidungsstück sind, ist es für schimpfen und tadeln schon zu spät. Dann niemals zur Wasserpistole greifen, sondern NUR wenn sie auf frischer Tat ertappt wird! Andernfalls wüsste sie nicht, für was sie bestraft wird, der Zusammenhang ist für die Katze nicht mehr erkennbar!

Aus Tierklinik.de:

Eine weitere Eigenart von einigen Rassekatzen (Siamkatzen und Burmakatzen) ist der Verzehr von für die Ernährung ungeeineten Stoffen wie Wolle und Seide. Die Ursache hierfür ist unbekannt und wird als „Pica“ bezeichnet.

Aus Westdeutsche Zeitung (WZ) Ratgeber:

Einige Katzen kauen jedoch nicht nur an Gegenständen, sie fressen sie regelrecht. Das regelmäßige Saugen, Kauen und Fressen von bestimmten Gegenständen, die nicht zum normalen Speiseplan der Katze gehören, wird als „Pica“ bezeichnet. In schlimmen Fällen muss der Stoff sogar durch einen chirurgischen Eingriff entfernt werden. Das Fressen von Wolle ist besonders bei Siam- und Burmakatzen häufiger zu beobachten. In manchen Fällen werden sogar Baumwoll- und Synthetiktextilien gekaut und heruntergeschluckt. Dies sind meist herumliegende Pullover, Schals, Strümpfe oder Küchenhandtücher.

Die Gründe für dieses Verhalten können u.a. genetische Faktoren oder ein umgerichtetes Saugverhalten sein, das sich durch zu frühes Absetzen von der Mutter äußert. Auch Katzen, die gelangweilt sind oder ihren Jagdtrieb nur ungenügend ausleben können, neigen manchmal dazu, Wolle zu fressen. Dies betrifft vor allem Wohnungskatzen, die den ganzen Tag alleine sind. Auch die Ernährung kann eine Rolle spielen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Katze vom Wollefressen abzuhalten. Welche der Katze hilft, muss am besten ein Verhaltenstherapeut individuell herausfinden. Eine Möglichkeit wäre das Präparieren eines Stoffstückes mit einer für die Katze schlecht schmeckenden Substanz. Ist das Fressen von Textilien eine Folge mangelnder Jagdmöglichkeiten, sollte man der Katze mehr Freigang ermöglichen. Auch eine gezielte Therapie kann bei „Pica“ Abhilfe schaffen.

Aus „pfotenundfell“:

Wenn Katzen Plastik fressen

abgelegt im Archiv Tiergesundheit und Ernährung, Tierverhalten
von Gabriele Müller am 28.05.07

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Vor Kurzem hat sich hier unsere Mitbloggerein Patricia Drewes vom Lycos-Tierweltenblog ja gefragt, ob nur ihre Katze so seltsame Ernährungsvorlieben hat. Tatsächlich kommen in der tierpsychologischen Praxis immer mal wieder Fälle vor, in denen Katzen an höchst ungewöhnlichen Gegenständen lecken oder nagen, zum Beispiel an Plastiktüten oder anderen Kunststoffgegenständen.

Diskutiert wird, dass die Weichmacher im Kunststoff einen besonderen Reiz auf Katzen ausüben und zum Festmahl einladen – nicht wenige Samtpfoten haben alle Sorten von Kabeln zum Fressen gern. Wenn sich der Hunger auf Holz oder Asche richtet, sollte in jedem Fall die Ernährung überprüft und der Tierarzt eingeschaltet werden. Er kann klären, ob keine Mangelerscheinung hinter diesem seltsamen Verhalten steckt. Ohnehin freut sich jede Samtpfote über einen ab und zu angebotenen Knochen oder ein ganzes Stück Fleisch, an dem sich das feline Raubtiergebiss beweisen kann.

Von einem, auf den ersten Blick ähnlichen, wahrscheinlich genetisch bedingtem Phänomen, sind vor allem die Siamesen und deren Verwandte betroffen. Als „Pica-Syndrom“ wird die Lust auf Unverdauliches bezeichnet, die sich vor allem auf Wolle und Stoffe richtet. Tatsächlich hat schon so mancher edle Kaschmirpullover das Zeitliche gesegnet, weil die erfindungsreichen Wollnager bei ihrer Suche kein Pardon kennen und auch vor teuren Stücken keinen Halt machen.

Nun lassen sich Wollpullover wegschließen, aber Kabel? In extremen Fällen hilft nur die anonyme Bestrafung mit der Blumenspritze, sobald die Katze etwas Unerwünschtes annagt. Oder eine „erlernte Abneigung“. Die lässt sich am besten dadurch erreichen, dass der Gegenstand mit einem übelriechenden oder schlecht schmeckenden aber unbedenklichen Mittel eingerieben wird.

Aus „Gesundheitstipps“ von Animonda:

Warum kaut meine Katze an Wollpullis?

Vor allem Siam- und Burmakatzen kauen oder saugen oft an Wolle, eine Verhaltensstörung, die auch als „Pica“ bezeichnet wird. In Einzelfällen können an Stelle von Wolle auch Plastik oder andere zerkaubare Materialien Ziel des Fehlverhaltens sein. Das Problem ist medizinisch relevant, da die Wolle bzw. andere Materialien Verdauungsstörungen bis hin zur Verstopfung hervorrufen können. Zu den möglichen Ursache zählen frühes Absetzen, Langeweile und genetische Faktoren. Zur Abhilfe sollten Sie zunächst die auslösenden Materialien (Pullis, Plastikgegenstände) entfernen. Zusätzlich können Sie versuchen, freien Zugang zu Trockenfutter anzubieten, um das Verhalten umzulenken (nicht bei übergewichtigen Katzen). Zusätzlich kann es helfen, das Futter zu verstecken oder schwer zugänglich zu machen, so dass die Katze intensiver beschäftigt ist. Grundsätzlich sind regelmäßige Jagd- oder Erkundungsspiele gut geeignet, um Katzen von Zwangsverhalten wie Pica und ähnlichem abzulenken.

Our Cats Nr. 03/06 Das Pica Syndrom Teil 1

Our Cats Nr. 03/06 Das Pica Syndrom Teil 2

Aus:“This ist the Siamese Cat von Marge Naples von 1964″

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Aus: “The Siamese Cat Owners Encyclopedia von Mary Dunhill (1974)”

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In „Lycos Tierwelten“ fand ich unter der Beschreibung der Rasse Siamkatze als letztes, hinter anderen Erbfehlern diesen Spruch:

  • Pica-Syndrom (Fressen und nagen von unverdaulichen Stoffen wie Wolle oder Vorhänge)
  • Diese Mängel sollten sich nicht in Zuchten verantwortungsvoller Züchter finden.

Ich habe mich so darüber geärgert, dass ich dort hingeschrieben habe. Denn weder normale Erbfehler, noch das Picasyndrom sind etwas, das ein Züchter ausschließen kann, egal wie sorgfältig er vorgeht. Selbst bei den Menschen, die mittlerweile eine sehr gute medizinische Betreuung und Überwachung haben, lassen sich Gendefekte nicht immer vorhersagen und vermeiden. Ebenso wenig bei irgendeinem anderen Säugetier. So ein Satze kündet von profundem Nichtwissen und totaler Unkenntnis der Genetik und Vererbungslehre und einer extrem hochnäsigen und verlogenen Einstellung. Jeder Züchter kann nur sein bestes Tun, schlimme Erbfehler zu vermeiden, indem er die Tiere, die sich als Vererber erweisen, die Fehler tragen,  aus der Zucht nimmt. Aber keiner kann das Erbgut seiner Tiere kennen und damit jeden Fehler vorhersagen und vermeiden!

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